5 Weltanschauungen, die wir aufgegeben sollten

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Die Vorstellung einer Weltanschauung hat zwei zusammenhängende Bedeutungen. Zum einen ist es eine persönliche Ansicht, wie die Welt ist oder sein sollte, und zweitens ist es eine Ansicht, die andere mit uns teilen oder der diese zumindest zustimmen. Somit gibt es da eine soziale Dimension.

Eigentlich ist es so, dass die meisten Weltanschauungen nicht durch eine Person erschaffen werden, vielmehr entscheidet sich eine Person, eine Anschauung zu übernehmen, die schon von anderen befürwortet wurde.

Vielleicht ist sie oder er emotional angetan oder die Anschauung verträgt sich gut mit ihren oder seinen bestehenden Glaubenssätzen. Die Zugehörigkeit zu oder die Unterstützung einer politischen Partei oder Ideologie ist ein klares Beispiel dafür, denn das Individuum wählt eine politische Ansicht, die seinen eigenen moralischen Überzeugungen und Werten entspricht.

Eine Weltanschauung anzunehmen hat eigentlich nichts falsches an sich. In der Tat gibt es Weltanschauungen, die gesund sind und aus einem authentischen, liebevollen und bewussten Bestreben erwachsen, die Menschheit weiterzubringen. Weltanschauungen können besonders gesund sein, wenn sie nicht auf Irrationalem basieren und wenn sie offen sind, revidiert und geändert zu werden, wenn man also akzeptiert, dass nichts absolut ist und ein Teil unseres Wissens im besten Falle provisorisch ist - also korrigiert werden kann. So ist der letzte Punkt einer der Hauptgrundsätze, der die Wissenschaft ausmacht.

Auf der anderen Seite gibt es selbstzerstörerische Weltanschauungen, die weitgehend in unserer einvernehmlichen Wirklichkeit akzeptiert wurden und die seit langer, langer Zeit schon in unserem Geist stecken. Diese Weltanschauungen sind so tief in unserer Wirklichkeitsstruktur verwurzelt, dass sie unbewusst sind und auch wenn wir sie Weltanschauung nennen, so sind sie eher implizit als explizit. Das macht es umso schwieriger, sie zu erkennen, vor allem da sie manchmal stark von unserem kollektiven Ego beschützt werden.

Tatsächlich entstehen diese Weltanschauungen aus ego-basierter Angst, Bewertung und dessen Obsession, sich daran zu klammern oder sich mit etwas zu identifizieren. Glücklicherweise bewegt sich die Menschheit hin zu einem grösseren Bewusstsein und somit weg von solchen Anschauungen.

Zugleich tun wir gut daran, uns kurz in Erinnerung zu rufen, woraus diese Weltanschauungen bestehen und wieso es höchste Zeit ist, sie hinter uns zu lassen:

1. Wir und sie

Viel eher als eine Weltanschauung ist dies eine allgemeine Haltung, die andere fehlgeleitete Weltanschauungen verursacht. Sie hängt mit der Vorstellung der Getrenntheit zusammen - eine der grössten Quellen des Leidens der Menschen. Das Getrenntsein von unserem sozialen Stamm, unserem Volk, unserer Nation, unserer politischen Gruppe, unserer Ideologie, unserem Genpool, unserer Kultur - von ihrer. Die Wir-und-sie-Weltanschauung ist nicht nur trennend, sondern auch selbstzerstörerisch, weil sie immer versucht, etwas, seien es Individuen oder Gruppen, von etwas anderem abzutrennen.

Dieses Abtrennen ist ein mächtiges Instrument des Egos, welches uns von einer befreienden Wahrheit fernhält - dass wir alle verbunden sind und im selben kosmischen Lebensrad stecken. Wir sind alle Eins, wie das spirituelle Sprichwort lautet, und je mehr wir uns auf diese Wahrheit einlassen, je mehr erkennen wir, dass dies die Grundlage des schöpferischen Wandels auf dem Weg der globalen Entwicklung des Bewusstseins ist.

Doch das Ego will das nicht. Es wird sich mit Händen und Füssen dagegen wehren und hat deshalb Mittel und Wege gefunden, die Sinnestäuschung der Getrenntheit zu implantieren, die ihrerseits irrationale Überzeugungen und politische Programme befeuert. Ich finde es eigentlich verrückt, wie so viele von uns nicht durch den Schleier gewisser Idelogien sehen und wie wir versuchen, rationell eine Ideologie zu rechtfertigen, die letztendlich in Sinnestäuschungen und irrationalen Überzeugungen wurzeln.

Die Wir-und-sie-Weltanschauung ist eine schleichende Malaise in uns Menschen, die sich auch über soziales, kulturelles und politisches Denken hinaus erstreckt. Sie hat uns auch von unserer natürlichen Welt getrennt. Die Menschheit hat einen Punkt überschritten, wo sie aufgehört hat, sich als integraler Bestandteil der Erde und des Kosmos wahrzunehmen und sie stattdessen als Ressource und Spielplatz für unsere wachsende Gier zu sehen. Dadurch haben wir uns von der Natur getrennt. Sowohl die Wissenschaft wie auch die Religion irren sich hier aber möchten nicht ins Detail gehen.

Doch es gibt Hoffnung, eine strahlende Hoffnung, möchte ich anzufügen. Es gibt jetzt mehr und mehr Leute, die aus dieser Illusion aussteigen und das Bewusstsein verbreiten, dass es kein "Wir und sie" gibt, sondern nur ein Wir ([im Englischen "Us", Anm. d. Red.] was im Englischen zufälligerweise eine Abkürzung von "Universeller Solidarität" sein könnte!).

2. Materialismus und die Verdrossenheit mit der Welt

Die moderne Wissenschaft ist relativ jung - sie erstreckt sich über nur etwa 200 Jahre. Es wird gesagt, dass die Wissenschaft uns Fortschritt gebracht und uns von den Fesseln des finsteren Mittelalters befreit hat. Doch die moderne Wissenschaft hat als Nebeneffekt auch eine andere Weltanschauung erzeugt, die auch heute noch stark vorherrschend ist: den Materialismus.

Materialismus bedeutet nicht Begeisterung für materielle Dinge, sondern ist eher die Weltanschauung, dass die materielle Welt die Grundlage des Universums wäre. In der klassischen Zeit der Wissenschaft hiess das, dass alle natürlichen Phänomene durch die darunterliegenden physischen und chemischen Abläufe erklärt werden können. Der Rest wäre Hokuspokus.

Dies hat eine "abgeflachte" Sicht der Welt erzeugt, die verursacht hat, dass wir uns vom magischen Universum um uns herum entzaubert wurden. Indirekt wurden wir dadurch kälter und zynischer. Wir begannen, Mysterien und Schönheit als Fiktion abzutun oder als etwas, das wir später durch einen physischen Prozess erklären könnten.

In älteren, primitiveren Gesellschaften waren die Leute immer noch mit dem natürlichen Wunder der Erde und des Universums verbunden. Wir wunderten uns und waren verzaubert durch das Mysterium. Wir sassen ums Feuer und hörten die Geschichten der Alten, die das Herz und nicht den Verstand schulten. Wir verstanden die Geschichte, die die Natur uns erzählte - jenseits der Logik der Worte. Wir waren von all dem fasziniert.

Doch der Materialismus wurde der Inbegriff des 19. und 20. Jahrhunderts. Unser schönes, organisches und fraktales Massenbewusstsein verwandelte sich in ein mechanisches, genau wie die Fliessbänder der Industriellen Revolution. Gemäss Carl Jung sei das das Leiden des modernen Menschen - die Grundlage seiner Neurose. Natürlich dauerte das lange, auch in der Wissenschaft.

Die klassische Sicht der Wissenschaft öffnete den Weg zu offeneren Paradigmen, die die Quantenphysik und die Integration von fächerübergreifenden Wegen hervorgebracht hatten. Zugleich gibt es eine aufkommende Strömung, sich alten Wissens mehr bewusst zu werden - eine Art Wiederbelebung durch Lehrer und Leute, die ihr bestes versuchen, dieses Wissen am Leben zu erhalten.

3. Fehlgeleiteter Individualismus

Ein weiteres Nebenerzeugnis des 20. Jahrhunderts, besonders im liberaleren Westen, war der Individualismus oder die Idee, dass die Rechte des Indidivuums übergeordnet seien und nur durch Gesetze und die Leistungsgesellschaft geschützt werden sollen. Sicherlich ist das eine schöne Idee und etwas, das alle befürworten würden. Das Problem ist, dass dieses Ideal irgendwie missbraucht, verzerrt und in eine egoistischere Form gebracht wurde.

Jetzt da die moderne Gesellschaft ausser Kontrolle gerät mit ihrem Überkonsum und ihrer Gier nach materiellem Besitz und Macht, hat der Individualismus einen anderen Oberton erhalten. Wir haben die Idee soweit überzogen, dass sie jetzt bedeutet, die angeblichen Bedürfnisse (die in Wirklichkeit nichts anderes als Bedürfnisse sind, die uns durch die Medien verkauft wurden) kämen vor dem Wohlergehen der Gemeinschaft und des Planeten.

Diese verzerrte Akzeptanz von individueller Gier vor der Allgemeinheit können wir am gegenwärtigen Zustand des Planeten erkennen. In unserem kleinen, verzerrten Welten sind wir abgestumpft und haben uns verloren. Wir fühlen uns nicht mehr als ein Teil der Gemeinschaft - wir haben uns von den Angelegenheiten der Welt abgenabelt.

Die Medien haben uns soweit unempfindlich gemacht, dass die Flut von negativen Eindrücken - Kriege, Greueltaten, Massenmorde, Gewalt - sich wie eine Art Film anfühlt. Wir wurden entmachtet durch den Glauben, dass wir nichts tun könnten, um der Welt zu helfen ... dass es schon schwierig genug sei, uns selber über Wasser zu halten. Die Weltanschauung des Individualismus hat also eine 180-Grad-Kehrtwende gemacht - von der Ermächtigung zur Entmachtung des Individuums.

4. Instiutionalisierte Kontrolle

Eine weitere Form der Entmachtung des Individuums kommt durch institionalisierte Kontrolle. Dies sind die hierarchischen Top-down-Kontrollstrukturen der Gesellschaft wie Schulausbildung, Medien und seine Zensur, Massenpropaganda, etc. Wir spüren den institionalisierten Druck auf uns und werden uns zudem bewusst, dass einige dieser Kontrollstrukturen zugunsten Weniger und zulasten Vieler geschaffen wurden. Die selbstzerstörende Weltanschauung, dass dies eine fatalistische sei.

Wir haben unsere Kontrolle und unsere Freiheit komplett aufgegeben und meinen, dass die Dinge halt so sind und dass wir nicht viel tun könnten. So funktioniert die Welt. Das nennt man auch das Problem der verteilten Verantwortung, wo der Einzelne glaubt, dass er für die gegenwärtige Lage der Welt nicht verantwortlich sei sondern eine höhere Macht wie die Regierung, Politiker, Anführer und Institutionen.

Die frohe Botschaft ist, dass sich all dies mit dem Fortschreiten der Technologie und dem wachsenden Willen und dem Bewusstsein der Leute ändert. Wir sehen eine Verlagerung weg von starren, hierarchischen Strukturen zu mehr Dezentralisierung und Demokratisierung.

Die Medien sind ein gutes Beispiel: Früher konnten wir nur durch immer dieselben Informationskanäle wissen, was sich um uns herum abspielt. Jetzt kann hingegen jeder ein Journalist sein und Informationen können von Vielen mit Vielen durch das Web geteilt werden, welches sozialer und mobiler geworden ist. Auch die Bildung überholt sich. Wir sehen nun mehr Leute, die nach anderen Formen von Bildung abseits des Mainstreams suchen. Hausunterricht, Onlinekurse und geschmeinschaftliche Bildung verbreiten sich.

Die Technologie hilft uns auch, autarker und unabhängiger mit unserem Energiebedarf und dem Umgang mit unserem Abfall zu werden. Die allgemeine Richtung all dieser Veränderungen helfen uns schrittweise, aus dieser fatalistischen Weltanschauung heraus zu kommen und befähigen uns, durch Zusammenarbeit und den gesunden Einsatz von Technologie unser Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

5. Absolutismus

Der Absolutismus ist eine Weltanschauung, die sich auch in anderen Weltanschauungen wiederfindet. Es ist die Vorstellung, dass unsere Überzeugungen, Gesetze, kulturelle Normen und Lebensweisen absolut sind in dem Sinne, dass sie universell und auf alle Menschen auf diesem Planeten anwendbar seien.

Wenn Andere ihre eigenen Glaubenssätze und kulturellen Lebensformen anwenden, sehen wir dies als Gefahr für unsere eigenen. Dies begünstigt die "Wir-und-sie"-Weltanschauung durch Reaktionen wie Intoleranz, Rassismus, Kriege und Konflikte. Diese Weltanschauung war die Grundlage vieler Kriege und Gräueltaten in der gesamten Menschheitsgeschichte, vor allem religiöser Natur.

Leider ist diese Weltanschauung auch heute noch sehr verbreitet. Wir haben noch immer nicht gelernt, talerant gegenüber der Vielfalt zu sein und der Tatsache, dass kulturelle Normen und Überzeugungen relativ und nicht absolut sind. Die Idee, dass unsere Realität die einzige oder vorherrschende sei, ist so kurzsichtig und egozentrisch, dass sie manchmal zu vollständiger Blindheit und Verrücktheit führt. Wenn es eine Weltanschauung gibt, die wir zuerst loswerden sollten, dann ist es diese, besonders jetzt in einer sich so schnell verändernden Welt.

Je mehr wir uns als Spezies entwickeln, je eher müssen wir erkennen, dass sich unser Wissen und unsere Überzeugungen immer verändern. Sie sind bestenfalls vorübergehend. Nichts ist absolut und nichts ist in Stein gemeisselt. Somit ist es zwingend für unser eigenes Überleben und Gedeihen, dass wir verstehen, wie kontraproduktiv es ist, einer absolutistischen Weltanschauung anzuhaften.

Wir müssen Veränderungen annehmen, weil die Welt sich rasch verändert, und noch wichtiger: Wir müssen uns mit der Idee anfreunden, dass sogar unsere Weltanschauung sich ändern kann und sich ändern wird... so wie es sein soll.

(Dies ist die Übersetzung des englischen Originaltexts von Gilbert Ross, erschienen am 18. August 2017 auf soulhiker.com)

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