In der Frage nach der Herkunft des Menschen macht die heutige Wissenschaft einen sprichwörtlichen Fehler am Anfang der Rechnung, weil sie von einem materialistischen Weltbild ausgeht und die höheren Dimensionen des Kosmos ausblendet.

– Armin Risi

Die mythologische Geschichte der Menschheit

Teil 1: Wie Licht und Dunkelheit auf die Erde kamen

„Im Satya-Yuga leben auf der Erde nur göttliche Wesen. Es gibt weder Asuras*1 noch andere Menschenformen. Im Tretā-Yuga sind diese zu einem Viertel und im Dvāpara-Yuga zur Hälfte gegenwärtig. In der Übergangszeit vom Dvāpara- zum Kali-Yuga vermischen sie sich [erscheinen in denselben Völkern und Familien]. Im Kali-Yuga werden auf der Erde göttliche und dämonische Wesen geboren, und die restlichen sind die Menschen. In dieser Zeit erscheinen auch energieraubende Wesen, die von Tieren und Menschen leben.“

— Padma Purāṇa 1.76.118 -119, 123

Die ersten Menschen waren Lichtwesen, die über eine Selbstmanifestation auf der Erde erschienen. Sie taten dies in vollkommener Übereinstimmung mit dem Willen des Schöpfers.
Im ersten Zeitalter, während eineinhalb Millionen Jahren, lebten nur Lichtwesen als Menschen auf der Erde. Es gab weder Gewalt noch Hochmut noch Lüge, weshalb dieses Zeitalter im Sanskrit Satya-Yuga genannt wird, „Zeitalter der Wahrhaftigkeit“, oder Kṛta—Yuga‚ „Zeitalter der Vollkommenheit“. Die Erde befand sich vollständig im Bereich des Lichts und war ein Paradies. Ein pulsierendes blaues Juwel im Weltall.
Für eine gewisse Zeit erschienen die Menschen durch eine direkte Materialisation, danach begann die Phase der Inkarnation (Geburt), wodurch die Menschen zunehmend ihre Herkunft aus den höheren Welten vergaßen. Wie die weiteren Ausführungen zeigen, hatte dies einen tiefen Sinn und diente einem göttlichen Zweck.
Im Tretā-Yuga kamen die ersten Asuras, Wesen aus den Dunkelwelten, auf die Erde. So wie die ursprünglichen Menschen nicht von irdischer Herkunft waren, waren es auch diese neuen Menschen nicht. Sie waren aggressiv und expansiv, mussten sich aber ebenfalls zuerst an die physischen Bedingungen der Erde anpassen. Dies taten sie mit technischen Hilfsmitteln. Der Besitz von hoher Technologie bedeutete aber nicht, dass sie auch spirituell fortgeschritten waren. Im Gegenteil, es waren Wesen, die den Weg der Gottabgewandtheit gewählt hatten. In der christlichen Mystik nennt man sie gefallene Engel. Sie hatten sich von Gott, der Quelle, getrennt, so wie die Dunkelheit sich vom Licht trennt. Weil sie ihre Lebensenergie nicht mehr von der höchsten Quelle bezogen, mussten sie sich neue Energiequellen suchen — und diese „Energiequellen“ waren andere Lebewesen. Aufgrund ihrer Mentalität sahen sie „nichts Falsches“ darin, alles ihren eigenen Interessen zu unterwerfen und, „wenn nötig“, auch über Leichen zu gehen. Die Trennung von der göttlichen Quelle führt zur archetypisch-negativen Neigung, andere Menschen, die Tiere, die Pflanzen und den gesamten Planeten für die eigenen Bedürfnisse auszubeuten.
Im Tretā-Yuga waren die Asuras in der Minderheit, und sie lebten in eigenen geographischen Gebieten. Es kam noch zu keiner Berührung mit den Ureinwohnern der Erde, den Lichtwesen-Menschen. Die Ureinwohner lebten in vollkommener Harmonie mit der Natur. Sie sahen die göttliche Ordnung in allem und lebten so, dass sie diese Ordnung nicht störten, sondern durch ihre Kreativität noch mehr zum Vorschein brachten. Dies taten sie vor allem durch Meditation und geistige Lenkung der Materie. Von außen sah dies jedoch so aus, wie wenn sie „nichts“ taten: keine Zivilisation, kein Kulturbetrieb, keine Manipulation der Erde, keine mechanische Imitation der Natur.
In der Mitte des Dväpara-Yugas kam es zu dem, was ich den „großen Übergriff“ nenne. Die Ureinwohner wurden angegriffen und unterworfen und auf direkte oder indirekte Weise versklavt. Wir sprechen hier von einer Entwicklung über einen relativ langen Zeitraum hinweg, und es waren auch nicht alle Ureinwohner auf einen Schlag betroffen. Dennoch bedeutete dies für alle einen dramatischen Einschnitt. Einige der Ureinwohner begannen, eigene Kulturen aufzubauen, um ein Gegengewicht zu den Asura-Reichen zu bilden. Andere blieben Naturvölker und behielten ihren einfachen, flexiblen Lebensstil, weshalb die späteren Kataklysmen ihnen nicht so viel anhaben konnten wie den „immobilen“ Kulturen, die alle untergingen.
Die mit dem Übergang vom dritten zum vierten Yuga verbundenen Katastrophen bewirkten, dass die damaligen Herrscher vieles von ihrer Macht einbüßten, weshalb sich die Ureinwohner und Naturvölker weltweit wieder erholen konnten. Lichtwesen manifestierten sich bei ihnen, um ihnen beizustehen, und auch, um neue Nachkommen zu zeugen, damit weitere Lichtseelen auf der Erde inkarnieren konnten.

Wie die ursprüngliche Spiritualität durch patriarchale Religionen verdrängt wurde

Vor fünftausend Jahren, als die Menschen sich nach einer langen Zeit des kulturellen Stagnierens von der „Sintflut“ erholt hatten, kamen einige Stammeskulturen (wieder) an den Punkt, dass sie Machtstrukturen und Militärkräfte aufbauten. Die Anführer dieser Gruppen gingen aufgrund ihrer Bewusstseinsausrichtung in Resonanz mit jenen unsichtbaren Mächten, die nur darauf warteten, dass jemand sich auf ihre Wellenlänge einstellte. Sie orteten ihre „Ansprechpartner“ und nahmen feinstofflich von ihnen Besitz. Dadurch wurde das Feld für den nächsten Schritt vorbereitet: dass sie selbst als Menschen geboren werden konnten. Unmenschliche Menschen erschienen. Das dunkle Zeitalter begann. Sie übernahmen vielerorts Führerpositionen als Könige und Hohepriester und schürten im Namen von Gott Angst, Hass und „Verehrung“. Das natürliche Gleichgewicht von Mann und Frau kippte (siehe Kastentext auf S. 142). Männer wurden zu Herren und Herrschern und wollten Frauen als persönlichen Besitz, um auch die Kinder besitzen zu können — und schrieben entsprechende Gesetze und Schriften.

Teil 2: Warum es überhaupt Menschen gibt

Als die Menschen entstanden, war die Erde als physisches Abbild der höheren Dimensionen bereits seit langer Zeit eine üppige Schöpfung voller Pflanzen und Tiere. Die Natur war paradiesisch und brauchte keinen Menschen als Gärtner und Kultivator. Es bestand kein materieller Grund, warum in diesem Paradies auch noch ein Mensch entstehen sollte. Und tatsächlich ist der Grund für das Entstehen der Menschen kein materieller, sondern ein spiritueller.
Warum wurden Lichtwesen Menschen? Aufgrund von Karma? Weil es eine notwendige Erfahrung war? Nein. Sie taten es aus dem einzigen Grund, aus dem Lichtwesen handeln: Liebe. Sie taten es freiwillig, ohne persönliche Notwendigkeit, ohne materiellen Beweggrund. Das ist die Bedeutung von Liebe. Und die Liebe, die zur Entstehung der Menschen führte, war eine ganz besondere: nicht „nur“ die Liebe zu Gott und zu den Nächsten, sondern auch Liebe zu denen, die in die Dunkelheit gefallen waren. Asuras, „gefallene Engel“, sind ebenfalls Engel, und die Lichtwesen sahen, dass ein Teil ihrer Brüder und Schwestern einen Irrweg von Illusion und Leid eingeschlagen hatte — ebenfalls freiwillig, d.h. aus einem Missbrauch des freien Willens heraus, und nicht etwa, weil es eine „notwendige Erfahrung“ gewesen wäre.
Die Scheidung der Geister geschieht bereits in den hohen Lichtwelten und nicht erst auf der Erde. Licht schafft keine Dunkelheit und kann keine Dunkelheit schaffen. Ebenso schafft Gott keine Trennung und keine Unliebe. Aber im Licht besteht immer die Möglichkeit, dass man durch Abwendung und Trennung Dunkelheit schafft und dann meint: „Ich kann etwas, was Gott nicht kann. Also ist Gott gar nicht wirklich Gott, sondern ich bin es, weil ich etwas kann, was er nicht kann!" Was sogar stimmt. Aber dieses „Mehr-Können-als-Gott“ ist eine Illusion und eine Täuschung (sanskr. māyā).
Die Lichtwesen sahen, dass die in Trennung Gefallenen nicht aus eigener Kraft ins Licht zurückkommen können und dies auch gar nicht wollen, weil sie ja meinen, ihre Dunkelheit sei das wahre Licht und ihre Weltbilder seien die wahre Erleuchtung. Im Licht besteht immer die Möglichkeit, durch Trennung Dunkelheit zu erzeugen. Aber es ist nicht möglich, aus Dunkelheit Licht zu erzeugen. In den Dunkelwelten ist also kein wirklich freier Wille mehr vorhanden. Dieser kann nur dort zur Anwendung kommen, wo die Wahl zwischen Dunkelheit und Licht besteht. Diese Möglichkeit besteht nur in den Welten des Lichts, angefangen mit der Welt der dichtesten Materie, weil dies der Bereich ist, wo die Lichtwelten die Dunkelwelten berühren, ähnlich wie der Weg aus dem Meer zurück ans Land immer über die Küste führt. Und das ist der Grund, warum die Lichtwesen Menschen wurden: um ihren gefallenen Brüdern und Schwestern entgegenzugehen und ihnen die Wahl zu geben, wieder ins Licht zu kommen, zuerst durch die Möglichkeit, überhaupt als Menschen geboren zu werden, und dann durch das Angebot, wieder das Licht und die Liebe zu wählen.
Mit anderen Worten, bevor überhaupt irgend etwas Dunkles auf die Erde kam, bestand bereits ein Plan für die Überwindung und Erlösung der Dunkelheit. Der Schlüssel war und ist die Liebe, jenes Bewusstsein, das die Einheit des Teils mit dem Ganzen, des Lichtstrahls mit der Quelle, lebendig werden lässt. Liebe ist das natürliche Bewusstsein in den Lichtwelten, und reinstes Licht in der dichtesten Materie hat die Kraft, das höchste Wunder der Schöpfung zu bewirken: die Transformation von Dunkelheit in Licht.
Gemäß der Schöpfungsabsicht Gottes ist die Erde ein Ort der Liebe und Barmherzigkeit, wo sogar die dunkelsten Mächte eine neue Möglichkeit bekommen, ihren freien Willen zu gebrauchen. Denn solange sie in Dunkelheit sind, können sie nur innerhalb der Dunkelheit wählen, was keine wirkliche Freiheit ist. Nur wenn sich auch das Licht anbietet, haben sie überhaupt die Möglichkeit zu wählen. Ob sie dann das Licht wählen, ist eine andere Frage. Aber die Lichtwesen werden nicht davon beeinflusst, wie die „anderen“ sich entscheiden. Sie wollen ihnen einfach die Möglichkeit bieten, wieder den Weg des Lichts zu wählen. Denn das Licht ist immer Vorhanden, auch wenn sich ihm etwas entgegenstellt. Sobald die gottabgewandten Mächte nur die kleinste Ritze öffnen, ist das Licht da und strahlt in die Dunkelheit. Das ist die natürliche Eigenschaft des Lichts.

Teil 3: Reinkarnation, das Vergessen und der Weg durch die Materie

Die Erde als hohes Lichtwesen kannte von allem Anfang an ihre göttliche Bestimmung, und sie wusste, dass sie künftig ein Schauplatz von Ausbeutung, Korruption und Kriegen werden würde. Dennoch ließ sie auch die Dunkelwesen in ihr Paradies herein, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich für das Licht zu entscheiden. Sie wusste auch, dass diese Transformation von Dunkelheit in Licht nur durch das höchste göttliche Bewusstsein möglich sein würde, durch reine Liebe. Deshalb wünschte sich die Erde, dass Lichtwesen dieser höchsten Bewusstseinsschwingung in ihre Welt herabkommen, um die gesamte irdische Existenz ins Licht zurückzuführen, auch die Asuras. Denn wenn Seelen aus der Dunkelheit ins Licht kommen, sind sie im Licht, wie wenn sie nie in Dunkelheit gewesen wären.
Der Ruf von Mutter Erde wurde erhört. Scharen von Lichtwesen manifestierten sich in der Welt der physischen Materie. Sie nahmen einen irdischen Körper an, behielten dabei aber das Bewusstsein ihrer Identität als Lichtwesen. Dies war der erste Schritt in ihrer „Erdenmission“.
Die ersten Menschen wussten um ihre Herkunft aus den höheren Welten. Der nächste Schritt bestand darin, in der reinen Liebe zu leben, ohne das „Sicherheitsnetz“ dieses Wissens zu haben. Denn man ist nicht vollständig Mensch, solange man sich sagt: „Eigentlich bin ich ein Engel und kann jederzeit in die lichten Welten zurückkehren.“
Die Menschen im Satya- und Tretā-Yuga verkörperten die reine Liebe und lebten in vollkommener innerer Ausgeglichenheit. Für jeden Menschen, der nicht in einem solchen Bewusstsein lebt, wäre die damalige himmlische Erde höllisch langweilig gewesen. Es war „nichts los“. Das Klima war konstant ideal. Nicht einmal die Nahrungsbeschaffung bot eine „Abwechslung“, denn alles wuchs in Fülle, und viele lebten ohnehin von Lichtnahrung (Prana).
Der nächste Schritt erforderte das Ausblenden des Wissens um das eigene frühere Leben. Dies geschah dadurch, dass die Lichtwesen nicht mehr den Weg der direkten Manifestation wählten, sondern den Weg der Inkarnation in männlichen und weiblichen Körpern. „Elohim schuf den Menschen nach seinem Abbild, als Mann und Frau schuf er sie.“
Das Geborenwerden brachte ein Vergessen der früheren Leben mit sich, was für die nachfolgenden Generationen einerseits ein größeres Risiko, andererseits aber auch eine neue Herausforderung darstellte: Kann ich das, was ich als Lichtwesen bin, auch in der physischen Materie sein? Aufgrund des Vergessens konnten die Menschen in einer intensiveren irdischen Gegenwart leben: im Hier und Jetzt, in einem physischen Körper, ohne irdische oder überirdische Identifikationen.*2
Man könnte diese Situation mit einem freiwilligen Urwaldaufenthalt vergleichen. Die Tochter einer reichen Familie entschließt sich, mitten in den Urwald zu den Eingeborenen zu gehen. Sie kann dort lernen und helfen, solange sie will, aber sie weiß immer: „Ich bin die Tochter einer reichen Familie und habe zu Hause ein volles Bankkonto.“ Der Urwaldaufenthalt bekommt eine ganz andere Intensität, wenn diese junge Frau sich entschließt, ihr Bankkonto aufzulösen und auf das Geld, sogar auf ihr Erbe zu verzichten. Angenommen, sie würde vergessen, woher sie ursprünglich gekommen ist: dann erst könnte sie voll in das Urwaldleben einsteigen. Und genau das taten die inkarnierten Lichtwesen. Sie vergaßen ihre Herkunft und lebten „unhistorisch“ nur in der Gegenwart. Ihr Bewusstsein in Liebe wurde zu einem Dasein in Liebe, in voller Hingabe, frei und geerdet.
Aus der heutigen Sicht könnten wir versucht sein zu meinen, dies habe ein Stagnieren und einen Mangel an „Entwicklung“ bedeutet, was jedoch ein Trugschluss wäre (S. 329). Die ursprünglichen Menschen lebten nicht in der Illusion der scheinbaren Notwendigkeit, etwas anderes sein zu müssen als das, was sie sind. Sie waren als Lichtwesen in die Materie eingetaucht, um eine Menschheit entstehen zu lassen, die es in späteren Zyklen — in der entsprechenden Verdichtung — auch den Wesen aus den Dunkelwelten erlauben würde, auf der Erde geboren zu werden. Und diese Wesen kamen… 

Der Übergriff und der Beginn des irdischen Karmas

Die „Pioniere“ der Kolonisation und Ausbeutung kamen im zweiten Zeitalter auf die Erde, aber mussten selbst zuerst Fuß fassen und sich einrichten. Ihr Ziel war von allem Anfang an, den blauen Planeten als Gesamtes zu besitzen. Die ersten Schritte in der Verfolgung dieses globalen Plans unternahmen sie im dritten Zeitalter. Sie sahen die Ureinwohner, die in ihren Augen nur sinnlos und unproduktiv „herumhockten“ und „nichts“ taten. Gleichzeitig waren diese rätselhaften Menschenwesen eine Quelle von hochpotenter spiritueller und emotioneller Lebensenergie, die den Asuras fehlte — und diese Energie wollten sie für sich nutzbar machen.
Die Kolonisatoren sahen nur ihre eigenen Interessen, und mit der „Verteidigung“ dieser Interessen rechtfertigten sie jegliche Vorgehensweise, die sie für „notwendig“ erachteten. Aufgrund ihrer Befehlsstruktur bezeichneten sie alles, was sie taten, als Pflicht, wodurch auch die Befehlsempfänger sich als „Helden“ sehen durften. Mit dieser Mentalität und Motivation leiteten sie im dritten Zeitalter den großen Übergriff ein, mit Fortsetzungen bis in unsere heutige Zeit. Diese prähistorischen „Pioniere“ erhoben Anspruch auf ganze Landstriche und Kontinente, ja auf den ganzen Planeten, und verfolgten ihre Ziele ohne Rücksicht auf die bereits anwesenden Menschen. Mit dem großen Übergriff starteten sie auch eine astrale, mentale und genetische Programmierung der Menschheit. Immerhin war der Mensch ein Wesen, das „göttergleich“ und zugleich auf der Erde heimisch war, also eine irdisch kompatible Physis besaß. Da die unlichten Wesen nur imitieren und kopieren können, um das Geraubte dann zu manipulieren, brauchten sie den ursprünglichen Menschen als „Prototyp“, um in ihrem „Fortschritt“ neue Durchbrüche zu schaffen.
Die Urbevölkerung der Erde lebte im Geist der Lichtwelten, frei von irdischem Karma und frei von negativen Emotionen. Es war für sie nicht erforderlich, sich schützend abzugrenzen, so wie auch das Licht sich nicht abgrenzt. Wenn Dunkelheit entsteht, erzeugt nicht das Licht die Trennung, sondern es ist die Seite der Dunkelheit, die sich vom Licht ausgrenzt und ihre Dunkelheit dann für die „wahre Realität“ hält.
Die Lichtwesen, die Menschen wurden, hatten gewusst, dass sie irgendwann ihren gefallenen Brüdern und Schwestern begegnen würden. Aus der „Theorie“ war ihnen bekannt, dass es das Böse gibt, aber es war dann etwas ganz anderes, als sie diesen Menschen bzw. Unmenschen gegenüberstanden, vor allem weil sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wussten, dass sie Lichtwesen sind. Sie sahen sich plötzlich und erstmals mit den Mächten der Dunkelheit konfrontiert, deren negative Emotionen für sie völlig fremd und unvorstellbar waren: Gier, Arroganz, Lüge, Manipulation, Gewalt gegenüber der Tier- und Pflanzenwelt und gegenüber anderen Menschen. Aus heutiger Sicht könnte man sagen, dass die Urmenschen naiv und weltfremd waren — weltfremd aber nur im Bezug auf eine Welt der Dualität und Dunkelheit. Sie waren angesichts des Egoismus und der Aggression der Kolonisatoren fassungslos, wehrlos und schockiert. Ein großes Trauma in unterschiedlichen Varianten brannte sich damals in das kollektive Bewusstsein und Unterbewusstsein der Menschen ein…
Als es zum großen Übergriff kam, gerieten die inkarnierten Lichtwesen in eine Situation der höchsten Herausforderung: Wie reagiere ich auf dieses Unrecht, diese Demütigung, diese Gewalt, diese Übermacht?
Die betroffenen Menschen reagierten auf unterschiedlichste Weise. Einige behielten ihr reines Bewusstsein und „standen darüber“, egal was im Äußeren geschah und was ihnen angetan wurde. Das waren Seelen, die nicht in die irdische Geschichte der Menschheit einsteigen wollten. Die anderen wurden in die Dualität gezerrt, und so begann ihr irdisches Karma‚ was zu folgenden Handlungsmustern führte:

  • Die einen sahen sich als Opfer und ergaben sich in ihr Schicksal (Resignation) oder verfielen in Selbstmitleid; sie fühlten „Ohnmacht“ angesichts der materiellen Übermacht;
  • einige sahen keinen Lebenssinn mehr und gingen vom Selbstmitleid in eine Art von Selbstzerstörung oder Selbstbestrafung;
  • andere haderten mit Gott und dem Schicksal; sie begannen, sich selbst zu verachten und ihren physischen Körper mit Abscheu zu betrachten;
  • andere bekamen Angst vor den „Mächtigen“ und wurden eingeschüchterte Sklaven oder Bürger;
  • andere gingen in eine Art Apathie und Starre, oder sie versuchten die neue Realität zu verdrängen, indem sie sich, bildlich gesprochen, „tot stellten“;
  • andere versuchten zu fliehen oder den Aggressoren auszuweichen;
  • andere begannen, die Dunkelmächte zu hassen, und schmiedeten Pläne, um sie zu bekämpfen;
  • andere reagierten mit Empörung und Wut angesichts all dieser Ungerechtigkeiten und nahmen sich vor, die Übeltäter zu entlarven;
  • wieder andere liefen auf die andere Seite über und wurden Kollaborateure, entweder aus Angst oder aus Faszination, denn sie sahen zum ersten Mal eine Macht, die mit physischer Gewalt und mit Ego-Willen handelte — und damit (scheinbar) mehr Erfolg hatte als diejenigen, die aus dem Geistigen und aus der göttlichen Liebe heraus wirkten;
  • einige glaubten an eine Möglichkeit des friedlichen Zusammenlebens und suchten den Dialog, um mit der Gegenseite diplomatisch zu verkehren und Kompromisse zu finden, was aber nur zu weiteren Übergriffen und zu „Vertragsbrüchen“ führte — und die Reaktion dieser Ureinwohner schlug irgendwann in eine der anderen Kategorien um.

Auf diese Weise begannen die Karmaketten der ursprünglichen Menschen. Karmaketten sind materiell und haben einen Anfang (und irgend wann auch ein Ende). Es war nicht die „Resonanz" der Lichtwesen, die zum Übergriff führte, sondern der Wille der Täter. Die einzige „Schuld“ der Lichtwesen war, dass sie sich in die gefährliche Randzone von Licht und Dunkelheit begeben hatten. Damit hatten sie freiwillig das entsprechende Risiko auf sich genommen. Denn die Erde ist ein Bereich des freien Willens, in dem sich auch nicht-selbstlose Wesen aufhalten. Wer sich in diesen Bereich begibt, akzeptiert die „Spielregel“ des Karmas, nämlich dass alle (bis zu einem bestimmten Grad) tun dürfen, was sie wollen. Das bedeutet, dass wir und alle anderen Menschen jederzeit neue Reaktionsketten starten können. Ebenso können wir jederzeit von anderen in ihre Karma-Handlungen hineingezerrt werden.*3
Wann immer eine negative Karmakette gestartet wird, liegt ein Übergriff vor: eine Nichtrespektierung des freien Willens und der Würde des anderen Menschen. Übergriffe sind physische und/oder psychische Gewaltakte, bei denen die betroffenen Personen nicht die Möglichkeit haben, sich zu verteidigen oder zu entscheiden, ob sie Teil dieser Situation sein wollen. Krasse Beispiele sind Massenmörder, die in eine Menschenmenge schießen, und Kriegsmächte, die über andere Länder herfallen und auf Menschen, die nicht flüchten und sich nicht wehren können, Bomben abwerfen.
Persönliche und kollektive Karmaketten haben immer eine Ursache und einen konkreten Anfang. Irgendwann wurde jemand zum Täter, und die Opfer waren unschuldig, das heißt, sie hatten den Tätern nichts angetan, ja waren ihnen vorher noch nie begegnet. Übergriffe werden immer von Asuras gestartet und in späteren Phasen auch von Lichtwesen, die sich asurisch beeinflussen ließen. Denn Opfer, die nicht verzeihen können, werden selbst zu Tätern…
Mit anderen Worten: Die Erde ist ein Bereich des freien Willens, sowohl für die Wesen aus dem Licht als auch für die Wesen aus der Dunkelheit. Alle dürfen tun, was sie wollen — zwar mit den entsprechenden Konsequenzen, aber diese kommen erst, nachdem man getan hat, was man tun wollte. Das ist die relative Freiheit auf Erden, und diese kann missbraucht werden.

Das dunkle Zeitalter und die Wendezeit

Im dritten Yuga gerieten nicht alle Menschen sogleich unter die Herrschaft der „Mächtigen“. Einige von denen, die nicht unterworfen und manipuliert wurden, fingen an, ihre eigenen Zivilisationen zu gründen, um ein Gleichgewicht der Kräfte herzustellen. Dies geschah mit der Unterstützung von Avatarmenschen, die als Kulturbringer und „kosmische Gesandte“ erschienen (S. 84).
Andere Stammeslinien der ursprünglichen Menschen behielten ihren Lebensstil bei und blieben „Aborigines“. Aber im Lauf der vielen Jahrtausende blieb niemand unbeeinflusst. In der Übergangszeit zum vierten Yuga rollten Kataklysmen über die Erde hinweg, und die Menschheit wurde für viele Generationen in einen Kampf ums nackte Überleben zurückgeworfen. Die Lebensumstände waren nun tatsächlich primitiv, und die von der Natur bedrohten Menschen öffneten sich der Angst und verloren dadurch vollends das Urwissen ihrer Ahnen. Was blieb, war meistens nur noch animistische Magie und Aberglaube. Angst, Hass und Konflikte griffen um sich, geschürt von denen, die davon profitierten.
Das vierte Yuga begann vor 5000 Jahren mit dem Unterzyklus, der als „dunkles Zeitalter“ (Kali-Yuga) bezeichnet wird. Die Yugas sind große irdische Zyklen, die mit solaren und galaktischen Zyklen in Beziehung stehen. Das vierte Yuga ist das kürzeste und dauert 432 O00 Jahre. In den Sanskritschriften wird das vierte Yuga auch gesamthaft als „Kali—Yuga“ bezeichnet, was aber nicht bedeutet, dass diese gesamte Zeitspanne ein dunkles Zeitalter ist. Das dunkle Zeitalter ist ein Unterzyklus, der rund 5000 Jahre dauert. Er entspricht dem großen Zyklus des Maya-Kalenders (13 Baktun-Zyklen zu je 144000 Tagen), von dem es heißt, dass er am 21.12.2012 zu Ende ging. Wenn wir von diesem Zeitpunkt zurück rechnen, begann der große Zyklus des Maya-Kalenders 3113 v. Chr.‚ genau in derselben Zeit, in der laut indischen Angaben das vierte Yuga begann (3102 v. Chr.). Diese Übereinstimmung wurde erst im 20. Jahrhundert entdeckt: Zwei alte Kulturen, die eine halbe Welt auseinanderlagen, bezeichneten praktisch denselben Zeitpunkt vor 5000 Jahren als Beginn des gegenwärtigen Zeitalters! Und dieser Unterzyklus geht in der heutigen Zeit zu Ende…
Obwohl das Kali-Yuga ein dunkles Zeitalter ist, das durch Konflikte, Konkurrenzkämpfe und Kriege geprägt ist, ist es auch ein Zeitalter der großen Chancen — religiös gesprochen: der Gnade —, denn in ihm ist es möglich, dass die „Dunkelheit“ (die Trennung von der Quelle) wieder aufgelöst wird. All das Unmenschliche, das im Kali-Yuga geschieht, ist nicht notwendig. Aber das Kali-Yuga ist notwendig, damit das Unmenschliche erkannt und überwunden werden kann.

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